Zum Inhalt springen

Hilfen für Wohnungslose in Neuss

Tagesaufenthalt Neuss Obdachlose
Datum:
5. Feb. 2026
Von:
Axel Küppers

„Wir glauben, dass sich mit dem Angebot des zusätzlichen Tagesaufenthalts auch das Stadtbild in der Neusser City verbessern wird.“ Mit diesen Worten skizzierte Dirk Jünger auf der Infoveranstaltung die Erwartungshaltung, mit der die Caritas an den geplanten Tagesaufenthalt für obdachlose Männer und Frauen herantritt. Der Leiter der Caritas Sozialdienste GmbH berichtete am Mittwochabend im Marienhaus über die Einrichtung, die voraussichtlich Anfang Mai an der Adolf-Flecken-Straße 38a eröffnen soll. Die Stadt Neuss hatte zu der Infoveranstaltung eingeladen. „Wir wollen Ihnen Gelegenheit geben, Ihre Ängste, Wünsche und Ihre Kritik loszuwerden“, sagte Sozialdezernent Holger Lachmann zu Beginn der Veranstaltung. 

Bevor die rund 20 anwesenden Anwohner des künftigen Tagesaufenthalts für Obdachlose in der Innenstadt in Bahnhofsnähe gegenüber einem Weltkriegsbunker ihre Fragen loswerden konnten, erläuterte Dirk Jünger das Konzept der zweiten Anlaufstelle neben dem Café Ausblick an der Drususallee. Die Caritas verfolgt das Ziel, wohnungslose Menschen von der Straße zu holen in einen geschützten Raum – geschützt vor Regen, Frost und Wind, aber auch geschützt vor dem alltäglichen Stress der Straße. 

„Es darf Bier in geringen Mengen in der Einrichtung getrunken werden“, betonte Jünger, dass Alkohol im begrenzten Maß in der Einrichtung akzeptiert ist. Der Sozialdienstleiter legte aber unmissverständlich dar, dass Dinge wie Drogenhandel, unflätiges Benehmen und Gewalt in jeglicher Form mit einem Platzverweis geahndet werden. Hierfür arbeite die Caritas eng mit der Polizei und dem Kommunalen Service- und Ordnungsdienst der Stadt Neuss (KSOD) zusammen, der ebenfalls beim Info-Abend Rede und Antwort stand. 

Der Tagesaufenthalt für Obdachlose wird laut Jünger vermutlich ab Mai 2026 zunächst montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr geöffnet haben und maximal 20 Menschen Platz bieten. „Es wird ein Kommen und Gehen. Wir rechnen wie im Café Auszeit mit täglich 50 bis 60 Besuchern.“ Bei der Klientel, so Jünger, müsse man im Blick haben, dass es Menschen sind, die aus akuten Krisen – angeschlagene Gesundheit, psychische Probleme, Geldnot, Trennung etc. – in eine Abwärtsspirale geraten sind und ihre persönliche Geschichte mit in die Einrichtung bringen. Stark vertreten sind Suchterkrankungen, wobei häufig nicht klar sei, was zuerst dagewesen ist: die Sucht oder die Krise. „Unser geschultes Personal kann helfen, diese Menschen zumindest zu stabilisieren, ihnen vielleicht auch einen Ausweg aus ihrer Not aufzeigen.“

Sozialdezernent Lachmann unterstrich diesen Ansatz und berichtete, dass die Stadt aufgrund der größer werdenden Zahl dieser Menschen diesen weiteren Tagesaufenthalt eröffnet: „Wir platzen aus allen Nähten.“ Mit der Standortsuche, versicherte der Sozialdezernent, habe es sich die Verwaltung in der anderthalbjährigen Planungsphase nicht leicht gemacht, 20 mögliche Räume wurden geprüft. „Und wir haben uns bewusst für einen Standort in der City entschieden, weil die Klientel, die wir ansprechen, ein Angebot auf der grünen Wiese nicht annehmen würde.“

Auf Bedenken von Anwohnern, dass künftig vor ihrer Haustür gepöbelt wird, Unrat über die Straße fliegt oder Mütter mit Kindern sich nicht mehr sicher fühlen können, gingen Lachmann und Jünger differenziert ein. Bei einem Rauswurf sollte es zu einem Verweis aus der Einrichtung kommen, suchen die Besucher in der Regel das Weite, so Jünger. „Und wir setzen auf das Fingerspitzengefühl unserer Sozialarbeiter, dass sie die jeweilige Situation richtig einschätzen und deeskalierend einwirken können.“ Ein generelles Alkoholverbot in der Innenstadt sei von Gesetzes wegen nicht durchsetzbar, so der KSOD. Wer aber mit einer Flasche Schnaps in die Einrichtung wolle, werde abgewiesen. Eine Raucherecke müsse hingegen angeboten werden im Inneren, ansonsten würde die Einrichtung nicht angenommen werden.  

„Wir sind Ihnen dankbar, wenn Sie mit uns kooperieren“, betonte Dirk Jünger gegenüber den Anliegern des Tagesaufenthalts. Weitere Gesprächsbereitschaft signalisierte auch die Stadt. Sozialamtsleiterin Stefanie Staar, die den Info-Abend moderierte, verwies auf die E-Mail-Adresse soziales@stadt.neuss.de und die Telefonnummer 02131 90-5001, wo Anliegen formuliert werden könnten. Die Stadt kündigte darüber hinaus vor dem Start der Einrichtung ein Pre-Opening für Nachbarn und Interessierte an, wo man sich ein Bild machen könne.