Nicht bei Sprachkursen sparen

Nach Dafürhalten der Caritas im Rhein-Kreis Neuss verhindert kurzsichtige Sparpolitik eine nachhaltige Integration zugewanderter Menschen. „Die Leistungen, die Neuzugewanderte für die Gesellschaft und den deutschen Arbeitsmarkt erbringen, sind nicht hoch genug einzuschätzen“, berichtet Dr. Ute Pascher-Kirsch, Fachbereichsleitung beim Caritas Fachdienst für Integration und Migration.
Der Stein des Anstoßes aus Caritassicht: Nun habe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bekannt gegeben, dass es künftig keine freiwilligen Integrationskurse mehr fördern wird. Davon betroffen seien insbesondere geduldete Menschen, die bislang freiwillig an Kursen teilnehmen konnten und so den Grundstein für den Erwerb von Deutschkenntnissen und für einen beruflichen Neuanfang in Deutschland legen konnten.
Zugewanderte und insbesondere geflüchteten Menschen werde nun der Zugang zu angemessener Integrationsförderung erschwert. Dr. Pascher-Kirsch: „Dies, obwohl erst kürzlich eine wissenschaftliche Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) erschienen ist, die belegt, dass die anerkannten und geförderten Integrationskurse in Deutschland eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt beschleunigen.“ Am Beispiel geflüchteter Menschen aus der Ukraine könne dies empirisch belegt werden.
Die Bundesregierung habe nach Überzeugung von Dr. Pascher-Kirsch zu kurz gedacht mit Blick auf Menschen aus dem Ausland - auch dem EU-Ausland. Sie verkenne, dass die langfristigen Folgekosten gescheiterter Integration wegen fehlender Sprachkenntnisse erheblich höher sein könnten als die kurzfristigen Gewinne für den Bundeshaushalt.
Die Bundesregierung gehe davon aus, dass Menschen, die bislang den Kurs finanziert bekommen haben, diesen nun selbst zahlen. „In der Praxis wird die finanzielle Hürde zu hoch sein“, sagt Nadine Kriszeit, langjährige Integrationsfachkraft im Fachdienst für Integration und Migration bei der Caritas. Und ihre Kollegin Petra Ulrich merkt an: „Wer bei Sprachkursen spart, spart an der falschen Stelle.“
Für die beiden Integrationskursberaterinnen in Neuss ist mit diesen Änderungen der Weg in den Niedriglohnsektor und langfristige mangelhafte Qualifizierung zugewanderter Menschen vorgezeichnet. „Trotz der massiven Kürzungen wird die Caritas im Rhein-Kreis Neuss versuchen, möglichst vielen Menschen einen Integrationskursbesuch zu ermöglichen“, sagt Dr. Pascher-Kirsch.
Sprache sei der Schlüssel für Integration in die Gesellschaft. Erst kürzlich habe eine potentielle Teilnehmerin, die eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin anstrebt und aufgrund der Rechtslage unter den Förderstopp fällt, formuliert: „Ich möchte unbedingt diese Ausbildung machen, da ich auch meinen Kindern ein gutes Vorbild sein möchte. Ich will ihnen zeigen, dass sich harte Arbeit lohnt. Vielleicht werde ich Pausen zwischen den Modulen einlegen müssen, um Geld zu sparen.“
Eine solche Erschwernis für bereitwillige Menschen aufzubauen, erstaunt auch Hermann Josef Thiel, Vorsitzender des Caritasverbandes Rhein-Kreis Neuss: „Wir sind zutiefst beunruhigt über die Entscheidung der Bundesregierung, die Zugänge zu den Integrationskursen des BAMF zu beschneiden. Das ist ein fatales Signal für unsere Integrationsbemühungen."