Perspektiven aufzeigen ohne Sucht

Am 18. Februar 2026 hat das Kontaktcafé „Beside“ in Neuss seinen Betrieb aufgenommen. Die Einrichtung bietet niedrigschwellige Angebote für Menschen, die Drogen und andere Substanzen konsumieren und abhängig von Suchtmitteln sind. „Betroffene finden bei uns beispielsweise neben Kaffee, nichtalkoholischen Getränken und Kuchen auch Wasch- und Duschmöglichkeiten“, sagt Teresa Weßling. Die Sozialarbeiterin bei der Caritas Sozialdienste Rhein-Kreis Neuss GmbH leitet das Kontaktcafé.
Träger der Einrichtung ist die Caritas, finanziert wird sie zu je einem Drittel vom Rhein-Kreis Neuss, der Stadt Neuss sowie den weiteren kreisangehörigen Kommunen. Das Kontaktcafé schließt eine Lücke, die es in Neuss zuletzt gab aufgrund der Schließung der Vorgänger-Einrichtung während der Corona-Pandemie. Zudem ist die Zahl der von Sucht betroffenen Menschen in Neuss und Umgebung in den vergangenen Jahren stark nach oben gegangen, wie Dirk Jünger bestätigt, Leiter Caritas Sozialdienste GmbH. Die Fachambulanz Sucht der Caritas, die an der Rheydter Straße 176 ihren Sitz hat, geht davon aus, dass aktuell rund 200 Menschen in Neuss drogenabhängig sind.
„Betroffene haben im ,Beside‘ die Möglichkeit, Beratungsangebote wahrzunehmen oder sich vom massiven Stress der Drogenszene auszuruhen“, erläutert Dirk Jünger. „Die niedrigschwelligen Angebote sollen zur Grundversorgung beitragen und verstehen sich als Hilfe und Alltagsunterstützung“, so Philipp Alfken, Leiter des Fachbereichs Suchtkrankenhilfe bei der Caritas. Die Fachberater des Wohlfahrtsverbandes haben den Ehrgeiz, Drogenabhängigen über gezielte Ansprache einen Ausweg aufzuzeigen aus dem Teufelskreis der Sucht.
Die neue Einrichtung ist montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr offen. Architekt Tobias Köppen (Düsseldorf) hat in der kubischen Containerbauweise am Standort Rheintorstraße 30 unmittelbar am Neusser Rheinhafen auf Offenheit, freundliche Farben und lichtdurchflutete Räume mit großen Fensterfronten Wert gelegt. Eine Holzterrasse und zwei abgegrenzte Innenhöfe bieten auch draußen Aufenthaltsqualität für Besucherinnen und Besucher. Neben Gemeinschaftsräumen gibt es Büros und kleinere Besprechungsräume, wo Beratung diskret unter vier Augen stattfinden kann.
Die Kreisverwaltung und die kreisangehörigen Kommunen sind sich einig, dass das „Beside“ Unterstützung im Alltag leisten soll, aber Betroffenen auch Wege aus Krisen und schwierigen Lebenssituationen aufzeigen wird. Damit sollen Gesundheit geschützt und Perspektiven eröffnet werden. „Das gelingt am besten in einem Umfeld, das Vertrauen schafft und Teilhabe ermöglicht“, betont Teresa Weßling. Die Leiterin betont ferner, dass ihr der Kontakt zur Nachbarschaft wichtig ist und seitens der Caritas eine offene Kommunikation gepflegt wird.
Die Unterstützung für Suchtgefährdete und Suchtkranke bringt die Caritas zudem über ihre Streetworker in die Fläche. Ansprache und Gesprächsangebote finden also nicht nur im „Beside“ statt, sondern auch über „Beratung Mobil“ der Caritas. Zusammen mit den abstinenzorientierten Beratungs- und Therapieangeboten auf der Rheydter Straße 176 in Neuss bildet sie künftig ein Verbundsystem von Ausstiegshilfen aus der Sucht.
Zum Caritaskonzept gehört zwingend, dass Drogenkonsum und Gewalt im „Beside“ nichts zu suchen haben. „Das Beside ist kein rechtsfreier Raum, massive Regelverstöße werden auch seitens der Kreispolizeibehörde und des städtischem Ordnungsdienstes im Rahmen des gesetzlichen Auftrags konsequent geahndet“, sagt Dirk Jünger. Dealer haben permanentes Hausverbot.
• Das Kontaktcafé ist montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr geöffnet und unter der Telefonnummer 0173 52232366 zu erreichen.