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Wie Kinder reflektiert zocken

Gaming
Datum:
24. Feb. 2026
Von:
Axel Küppers

Dem Phänomen Gaming bei Kindern nähert sich die Caritas mit einem neuen Angebot. Gaming steht für Video- und Computerspiele auf Plattformen wie PC, Konsole oder Smartphone. Die Erziehungs- und Familienberatungsstelle balance in Neuss hat für 11- bis 13-Jährige einen Kurs „Gaming im Griff“ entwickelt. „Mit Tipps und Tricks für Zocker“, bringt Sabrina Sandfuchs die Botschaft auf den Punkt. Die Psychologin hat im balance-Team mit ihrer Kollegin Sandra Hellwig einen Rahmen gesteckt, der das Thema aus der Tabu-Ecke holt und Möglichkeiten aufzeigt, dem beliebten Digital-Hobby der Jugend zu begegnen, ohne in virtuellen Welten zu versinken und die Realität außerhalb der Gaming-Welt auszublenden. 

Merkst du manchmal, dass du gar nicht aufhören willst? Ärgerst du dich, wenn Erwachsene dich beim Zocken stoppen? Gibt es immer wieder Stress zuhause wegen Gaming und Spielzeiten? Das sind Fragen, die in dem kostenfreien Angebot thematisiert werden. Der Kurs in der Beratungsstelle an der Kapitelstraße 30 in Neuss startet am 10. März von 15.30 bis 17 Uhr und läuft an acht Dienstagen bis 19. Mai; Anmeldung unter Tel. 02131 3692830 oder E-Mail balance@caritas-neuss.de

 „Unsere Botschaften für Eltern sind Spielspaß verstehen, Grenzen setzen, Konflikte entschärfen, Kinder stärken“, erläutert Sabrina Sandfuchs die Haltung des Kurses, der von der Sozialstiftung NRW gefördert wird. An den acht Nachmittagen lernen die Mädchen und Jungen beispielsweise, Warnsignale früh zu erkennen, sich sicher im Chat zu bewegen, Spielmechanismen zu hinterfragen und Fair-Play-Regeln zu entwickeln. 

Begleitend finden vier Elternabende statt, die am 25. März um 16.30 Uhr starten. Diese Elterntermine haben ähnliche Themen wie bei den Kindern und sollen die Eltern dabei unterstützen die Gamingwelt ihrer Kinder zu verstehen und diese zu begleiten. Am Ende gibt es zwei Eltern-Kind-Termine zur nachhaltigen Umsetzung im Alltag, jeweils ab 15.30 Uhr am 2. Juni und 7. Juli. 

Für Fragen steht Sabrina Sandfuchs unter Tel. 02131 3692830 oder E-Mail sabrina.sandfuchs@caritas-neuss.de gerne zur Verfügung. 

 

INTERVIEW MIT SABRINA SANDFUCHS

Wie seid ihr auf Gaming aufmerksam geworden?
Gaming gehört heute selbstverständlich zum Alltag vieler Kinder und Jugendlicher. Auch in unseren Beratungen ist das Thema Gaming und der Umgang damit im Familienalltag ein zentrales Anliegen. In der Hälfte aller Beratungen geht es um Konflikte rund um Medien und Gaming.

Warum die Zielgruppe 11- bis 13-Jährige?
In dieser Altersgruppe erleben Eltern einen Umbruch: Während das Spielen im Grundschulalter oft noch eng begleitet wird, ziehen sich Eltern in dieser Phase zunehmend zurück. Gleichzeitig wirken die Kinder sehr sicher im digitalen Raum – doch die Herausforderungen, die Online-Spiele mit sich bringen, sind komplex.

Worin besteht die Komplexität?
Nun, dazu gehören beispielsweise Schwierigkeiten beim Abschalten in spannenden Spielsituationen, Gruppendruck im Team, beleidigende Sprache oder Cybermobbing im Chat bis hin zu Risiken wie Cybergrooming. Hinzu kommt, dass viele Spiele gezielt so entwickelt sind, dass sie möglichst lange fesseln. Belohnungssysteme, offene Spielschleifen und sogenannte „Dark Patterns“ erschweren insbesondere jungen Menschen das selbstbestimmte Beenden des Spiels.

Holt Ihr Gaming aus der bösen Ecke?
Ja, Die Gruppe versteht Gaming nicht als Problem, sondern als Hobby, das Kompetenzen fördern kann – wenn Kinder lernen, es bewusst zu steuern. Ziel ist es, Kinder und Eltern zu stärken, damit Gaming sicher, reflektiert und konfliktärmer in den Familienalltag integriert werden kann.

Wie bindet ihr die Eltern ein?
Es gibt über das Angebot für die Kinder hinaus Nachmittage nur für die Eltern, am Ende auch zum Reflektieren und Integrieren des Gelernten zwei Eltern-Kind-Termine. Denn ein sicherer Umgang mit Gaming gelingt langfristig nur gemeinsam. Die Eltern erhalten Einblicke in Spielmechanismen, Altersfreigaben und Dynamiken von Online-Games. Sie werden ermutigt, nicht nur Regeln aufzustellen, sondern in den Dialog zu gehen. Ziel ist es, Verständnis auf beiden Seiten zu fördern.

Was ist euer Anspruch?
… dass Kinder sagen: Ich spiele gerne – und schaffe es aufzuhören. Und Eltern, das Gefühl haben, nicht mehr abgehängt zu werden, sondern ihren Kindern begleitend zur Seite stehen.