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Nah an den Menschen

Sophia Beyer, Melissa Kern und Denise Bornfleth haben den Schmetterling aufs Neusser Marktpflaster gemalt.
Datum:
22. Juli 2026
Von:
Caritas Rhein-Kreis Neuss

„Jeder Tote ist einer zuviel.“ Mit diesem Satz führt Caritas-Vorstand Benjamin Lampa auf dem Neusser Markt in den diesjährigen Gedenktag ein. Am Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende werden in einer von der Caritas organisierten Veranstaltung die Schicksale Drogen konsumierender Menschen in den Mittelpunkt gerückt und zum Anlass genommen für ein Innehalten und ein Miteinander-ins-Gespräch-Kommen. Benjamin Lampa bedankt sich bei den Kooperationspartnern Stadt und Rhein-Kreis Neuss für die Unterstützung, den Betroffenen zu helfen und Perspektiven aus ihrer Abhängigkeit heraus zu bieten. 

„Somit wollen wir heute ein Zeichen der Menschlichkeit, der Würde und der Hoffnung setzen“, sagt Philipp Alfken, Fachbereichsleiter Suchtkrankenhilfe bei der Caritas, in seinen einleitenden Worten. Alfken und Lampa  stellen heraus, dass sich der katholische Wohlfahrtsverband mit Angeboten wie „Beratung Mobil“ und „Kontaktcafé Beside“ täglich für Menschen mit Suchterkrankung einsetzt – „niedrigschwellig, bedarfsgerecht und nah an den Menschen“, so Philipp Alfken.  

Barbara Albrecht, Leiterin des Gesundheitsamtes Rhein-Kreis Neuss, erinnert daran, das im Jahr 2025 insgesamt 2150 Menschen an den Folgen von Drogenkonsum gestorben sind. „Und sie werden immer jünger“, so die Schirmherrin des Gedenktags mit Blick auf Betäubungsmittel wie die chemisch aufbereitete Droge Crack im Mischkonsum mit Alkohol, Heroin oder anderen Substanzen. Die Neusser Amtsärztin spricht insbesondere die Besucher_innen an, die aus eigener Betroffenheit an der Gedenkveranstaltung teilnehmen: „Uns geht es auch darum, Ihnen - den Hinterbliebenen - ein Zeichen der Hoffnung zu geben.“ 

Daran knüpft Ann Christin Kaup an vom Jugendamt Neuss, Abteilung Besondere Dienste. „Menschlich bleiben“ – mit diesen Schlussworten aus dem zitierten Gelassenheitsgebet der Anonymen Alkoholiker trifft die stellvertretende Amtsleiterin den Nerv der Gedenkveranstaltung. Einig sind sich Ann Christin Kaup und Barbara Albrecht, dass Suchterkrankungen behandelbar sind und für die Betroffenen keinesfalls in Ausgrenzung oder Stigmatisierung münden dürfen. Prävention, Beratung und niedrigschwellige Hilfsangebote – wie von der Caritas im Rhein-Kreis Neuss praktiziert – können Leben schützen und Perspektiven eröffnen. 

Die Perspektive der Menschlichkeit und der Würde im christlichen Kontext stellt Pastoralreferent Winfried Kelkel in seinem Abschlussgebet heraus, bevor man sich im Schatten des Münsters St. Quirinus bei kühlen Getränken, Kaffee, Waffeln, Gesellschaftsspielen, malen und basteln sowie vor allem Gesprächen im geschützten Pavillonraum näher kommt und austauscht. Für die Sozialarbeiter-Teams von „Beratung Mobil“ und „Kontaktcafé Beside“ um Teresa Weßling und Björn Marquardt eine gute Gelegenheit, über bestehende und neue Angebote der Suchthilfe im Rhein-Kreis Neuss zu informieren und Brücken zu bauen zwischen Betroffenen, Angehörigen und interessierten Besuchern. So gelingt es auch diesmal, die Neusser Öffentlichkeit für das Thema Sucht und Drogenmissbrauch in würdevoller wie nachdenklicher Weise zu sensibilisieren.  

Internationaler Gedenktag
Der 21. Juli ist der Internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende. Menschen erinnern an ihre Angehörigen, Freunde und Weggefährten, die an den Folgen des Drogenkonsums bzw. -missbrauchs oder drogenpolitischer Versäumnisse gestorben sind. Der Gedenktag wurde 1998 zum ersten Mal in Gladbeck begangen. In Deutschland finden mittlerweile in rund 100 Städten und Gemeinden Veranstaltungen zu dem Thema statt. Aktionen am 21. Juli gibt es zum Beispiel auch in Spanien, Dänemark, den Niederlanden, Großbritannien, Kanada, Australien oder Schweden.